Bremen bekämpft Katzen radikal: Bald soll im Stadtstaat Kastrationspflicht herrschen.
Einige andere deutschen Gemeinden haben bereits eine solche Verordnung, Tendenz
steigend. Von FOCUS-Online-Redakteurin Christina Steinlein
Bremen will jetzt eine Kastrationspflicht für alle Katzen, die älter sind als fünf Monate,
einführen. In die Pflicht genommen werden sollen nicht nur Katzenhalter, sondern auch
Personen, die die Streuner – durchaus wohlmeinend – füttern. Denn auch diese
unterstützen die explosionsartige Vermehrung der Samtpfötchen.
Das Problem der Überpopulation betrifft nicht nur Bremen. Seit Jahren steigt die Zahl
verwilderter Straßenkatzen in deutschen Städten. Insgesamt, schätzt der Tierschutzbund,
leben etwa zwei Millionen Katzen in Industriebrachen, Wäldern und auf Bauernhöfen.
Dazu kommen etwa acht Millionen Hauskatzen, die größtenteils nicht kastriert sind. Da
diese Tiere frei herumlaufen, tragen sie ebenfalls zur raschen Fortpflanzung der Katzen
bei. „In der Berliner Innenstadt gehen wir von 15 000 verwilderten Tieren aus, in Köln
sogar von fast 50 000“, sagt Thomas Schröder, Geschäftsführer des Deutschen
Tierschutzbunds.
Die Katzenschwemme: Pro Katze 42 Nachkommen nach
zwei Jahren
Beim Kampf um das Überleben brauchen die Tiere mehr als ihre sprichwörtlichen sieben
Leben: Eine streunende Katze wird nur zwei Jahre alt. Die Wohlstandskatzen in den
Haushalten bringen es auf bis zu 18 Jahre. Die Tiere in freier Wildbahn vermehren sich
rasant. Jede fruchtbare Katze kann zweimal pro Jahr vier bis sechs Junge bekommen. Ab
etwa einem halben Jahr sind diese wiederum geschlechtsreif. „Angenommen, dass eine
Kätzin wenigstens zweimal im Jahr Nachwuchs bekommt, jeweils nur drei Junge pro Wurf
überleben, und die Katzen sich jeweils fremde Partner suchen, ergibt dies rechnerisch
nach zwei Jahren bereits 42 Nachkommen“, rechnet der Tierschutzbund vor. „Den wild
lebenden Tieren geht es nicht gut“, stellt Schröder klar. „Sie verletzen sich, ihre Wunden
werden nicht behandelt und entzünden sich, sie bekommen Würmer, Milben und Flöhe,
sind zu geschwächt zum Jagen und daher unterernährt.“
Paderborn hat eine Lösung für die Katzenplage gefunden, Delmenhorst zog nach: Dort
bauen Tierschützer Futterstellen auf und locken die Tiere an. Kaum haben die Katzen ein
wenig Zutrauen gefasst, werden sie eingefangen, betäubt und landen auf dem OP-Tisch.
Wachen sie auf, haben die Weibchen keine Eierstöcke mehr und die Männchen keine
Hoden. „Im Gegensatz zur Sterilisation wird dadurch verhindert, dass die Tiere weiterhin
einer starken hormonellen Beeinflussung unterliegen“, erklärt Schröder.
Verwilderte Tiere passen nicht ins Tierheim
Nach der Kastration werden die Tiere wieder in die Freiheit entlassen. Dort besetzen und
verteidigen sie ihre angestammten Reviere, sodass kein anderes Tier aus umliegenden
Gebieten das Territorium für sich beanspruchen kann. Katzen halten sich schließlich nicht
an Ortsgrenzen.
In Köln ist eine ähnliche Regelung im Gespräch. „Die Tierheime sind bereits überbelegt.
Die nächste Schwemme rollt auf sie zu, denn im Herbst werfen die Katzen wieder. Es
wäre sinnvoll, wenn alle deutschen Gemeinden dem Vorbild von Paderborn folgten“, findet
Schröder. „Die Zahl verwilderter Katzen in Deutschland sollte gegen null gehen.“
Auch andere Staaten betroffen
In Belgien leben zehn Millionen Menschen. Und eine Million Katzen. Die wenigsten davon
sind umsorgte, gepflegte, gefütterte Haustiere. Die meisten der Tiere schlagen sich
draußen durch. Ab 2016 sollen alle Katzen im Land kastriert werden, berichten belgische
Medien: zuerst die Streuner, später auch die Tiere der Privatbesitzer.
Zwangskastration - Drastische Maßnahmen
gegen “Katzenplage”